Die vier Größen hinter jedem Preis
Ein Umzugsangebot sieht auf den ersten Blick aus wie ein Betrag für eine Fahrt. Tatsächlich ist es eine Rechnung aus Arbeitszeit, Fahrzeugzeit und Material. Arbeitszeit entsteht durch die Menge und durch den Weg, den jedes Stück zurücklegt. Fahrzeugzeit entsteht durch Größe und Strecke. Material ist der kleinste Posten und trotzdem der, den man am häufigsten vergisst, weil Kartons vor dem Umzug niemand als Kostenfaktor ansieht.
Aus diesen Bausteinen lässt sich fast jede Preisdifferenz erklären. Zwei gleich große Wohnungen kosten unterschiedlich viel, wenn eine im dritten Stock ohne Aufzug liegt und die andere ebenerdig. Zwei gleich weit entfernte Ziele kosten unterschiedlich viel, wenn bei einem die Möbel zerlegt werden müssen und beim anderen nicht. Wer das im Kopf hat, vergleicht Angebote nicht mehr nach dem Endbetrag allein.
Für den eigenen Überschlag lohnt es sich, in dieser Reihenfolge zu denken: erst die Menge, dann der Weg, dann die Arbeit an den Möbeln, zuletzt Material und Entsorgung. Jeder Schritt macht die Schätzung genauer, und schon nach dem ersten wissen Sie, ob Sie über einen halben Tag oder über zwei Tage reden.
Zuerst die Menge: von Quadratmetern zu Kubikmetern
Umzugsbetriebe rechnen nicht in Quadratmetern, sondern in Kubikmetern Ladung. Das ist der Raum, den Ihr Hausrat im Wagen einnimmt, und er hat mit der Wohnfläche nur lose zu tun. Eine großzügig geschnittene, spärlich möblierte Wohnung füllt weniger als eine kleine mit vollem Keller, einer Werkstatt und zwanzig Jahren Sammelgut.
Als groben Anhaltspunkt können Sie mit etwa einem halben Kubikmeter Ladung je Quadratmeter Wohnfläche rechnen, wenn normal möbliert ist. Das ist ein Erfahrungswert und keine Formel; ein Haushalt mit vielen Büchern liegt darüber, eine frisch gegründete Wohnung deutlich darunter. Die Tafel weiter unten zeigt dieselbe Größenordnung nach Zimmerzahl sortiert.
Genauer wird es, wenn Sie einmal durch die Wohnung gehen und laut mitzählen. Ein großer Kleiderschrank, eine Couchgarnitur oder eine Waschmaschine sind jeweils eigene Brocken; Kartons rechnet man am besten in gleich großen Einheiten, weil sich nur die stapeln lassen. Notieren Sie die Zahl, die dabei herauskommt, und nennen Sie sie bei jeder Anfrage. Angebote werden damit auf einen Schlag vergleichbar.
Beim Rundgang durch die Wohnung mitzählen
- Große Schränke und Regale, jedes Stück einzeln
- Polstermöbel, Betten und Matratzen
- Geräte in Küche, Bad und Hauswirtschaftsraum
- Kartons, geschätzt in gleich großen Einheiten
- Keller, Dachboden, Balkon und Garage, die beim Rundgang gern vergessen werden
- Alles, was Sie eigentlich abgeben wollten und bisher nicht abgegeben haben
Der Weg: Etage, Tragweg und Zufahrt
Der zweite Faktor ist die Strecke, die jedes Stück zu Fuß zurücklegt. Sie besteht aus drei Teilen: dem Weg vom Fahrzeug bis zur Haustür, den Stockwerken und dem Weg innerhalb der Wohnung. Alle drei zählen doppelt, weil es sie an beiden Adressen gibt. Eine Wohnung im Erdgeschoss mit langer Zufahrt kann teurer sein als eine im zweiten Stock direkt an der Straße.
Stockwerke ohne Aufzug sind der bekannteste Posten und werden trotzdem regelmäßig unterschätzt. Entscheidend ist nicht nur die Zahl der Etagen, sondern die Form des Treppenhauses: Enge Wendungen zwingen dazu, große Stücke zu zerlegen, die sonst am Stück gegangen wären. Ein vorhandener Aufzug hilft nur, wenn die Kabine groß genug ist und sich blockieren lässt.
Für die eigene Schätzung reicht eine einfache Übung: Gehen Sie den Weg einmal mit einem gefüllten Wäschekorb. Was sich dabei zäh anfühlt, wird an einem Umzugstag mit hundert Gängen zur Zeitfrage. Diese Beobachtung ist mehr wert als jede Tabelle, und sie hilft im Gespräch mit dem Anbieter, weil Sie die richtigen Dinge erwähnen.
Möbelarbeit, Packmaterial und Entsorgung
Der dritte Block ist Handarbeit an den Möbeln. Abbau und Aufbau von Schränken, Betten und Regalen sind eigene Arbeitsstunden, und sie fallen zweimal an. Eine Einbauküche ist dabei ein Fall für sich und steht in seriösen Angeboten immer als eigener Posten, weil sie einen halben Tag binden kann. Wer Zeit sparen will, baut kleine Möbel vorher selbst ab und lässt nur das machen, wofür Werkzeug und Übung nötig sind.
Beim Material entscheidet die Frage, ob Kartons gemietet oder gekauft werden. Gemietete Kisten kommen vor dem Umzug und gehen danach wieder, gekaufte stehen später im Keller. Dazu kommen Papier, Folie und Decken für Kanten und Glas. Rechnen Sie lieber mit ein paar Kartons mehr als zu wenig, denn nichts kostet an einem Umzugstag mehr Zeit als eine halb gepackte Wohnung.
Der vierte Block ist die Entsorgung. Fast jeder Umzug produziert Sperrmüll, und dieser Teil wird entweder nach Zeit oder nach Kubikmetern gerechnet; die Gebühr des Wertstoffhofs kommt unverändert obendrauf. Wer vorher aussortiert, spart zweimal: einmal bei der Menge im Wagen und einmal bei der Entsorgung.
Posten, die im ersten Überschlag meist fehlen
- Abbau und Aufbau von Schränken, Betten und Regalen
- Die Küche, die fast immer eine eigene Zeile im Angebot ist
- Kartons, Packpapier, Folie und Decken
- Entsorgung von Sperrmüll samt Gebühr des Wertstoffhofs
- Reinigung und besenreine Übergabe der alten Wohnung
- Ein zweiter Halt, wenn noch Sachen aus einem anderen Keller dazukommen
Warum ein Angebot ohne Aufmaß wenig wert ist
Ein Betrag, der am Telefon in zwei Minuten entsteht, beruht auf Ihren Angaben und auf nichts sonst. Das kann gut gehen, wenn Sie Ihre Wohnung sehr genau beschreiben. Meistens geht es schief, weil niemand freiwillig an den vollen Dachboden denkt und weil sich der Tragweg schlecht erzählen lässt. Die Folge ist ein Angebot, das am Umzugstag nicht mehr gilt.
Ein Aufmaß ist keine Verkaufsveranstaltung, sondern eine Bestandsaufnahme. Es dauert meist eine knappe Stunde, es geht durch alle Räume einschließlich Keller und Dachboden, und es beantwortet drei Fragen: Wie viel ist es, wie kommt es aus dem Haus, und wie kommt es in das neue hinein. Auf Wunsch geht das auch als Videorundgang, wenn Sie die Kamera wirklich überall hinhalten.
Wer nach einem Aufmaß einen Betrag nennt, kann ihn halten. Deshalb ist die zweite Frage nach dem Preis immer die wichtigere: Was passiert, wenn mehr zusammenkommt als besprochen? Ein Anbieter, der darauf eine klare Antwort hat, ist auch beim Rest verlässlich.
Was über den Grundbetrag hinausgeht, steht mit eigener Zahl im Angebot, bevor der Termin bestätigt wird. Fällt am Umzugstag etwas Zusätzliches an, sprechen wir es vorher an.
Woran Sie ein sauberes Angebot erkennen
Ein brauchbares Angebot beschreibt nicht nur das Ergebnis, sondern die Annahme, auf der es beruht. Es nennt die geschätzte Menge, die Zahl der Kräfte, die Fahrzeuggröße und die Leistungen, die enthalten sind. Wer das liest, kann prüfen, ob der Anbieter dieselbe Wohnung meint wie er selbst. Angebote ohne diese Angaben lassen sich nicht vergleichen, weil unklar bleibt, was fehlt.
Genauso wichtig ist, was ausdrücklich nicht enthalten ist. Ein sauberes Angebot sagt das offen, statt es im Kleingedruckten zu verstecken. Ein Anschluss von Gas, Wasser oder Strom gehört zum Beispiel in die Hand eines Fachbetriebs und ist in keinem Umzugsangebot enthalten, egal wie günstig es wirkt.
Alle Beträge sind Bruttobeträge mit Mehrwertsteuer. Was nach dem Aufmaß im Angebot steht, gilt unverändert bis zur Rechnung.
Diese sechs Punkte stehen in einem belastbaren Angebot
- Die geschätzte Menge als Zahl, nicht als Andeutung
- Zahl der Kräfte und Größe des Fahrzeugs
- Tragweg, Etagen und Aufzug, weil danach gefragt wurde
- Eigene Zeilen für Möbelarbeit, Material und Entsorgung
- Eine Aussage dazu, was gilt, wenn mehr zusammenkommt als geschätzt
- Bruttobetrag, vollständige Anschrift des Betriebs und ein Ansprechpartner
| Wohnung | Wohnfläche | Ladung als Anhaltspunkt |
|---|---|---|
| 1 Zimmer | bis 35 m² | rund 15 m³ |
| 2 Zimmer | 35 bis 60 m² | rund 25 m³ |
| 3 Zimmer | 60 bis 85 m² | rund 40 m³ |
| 4 Zimmer | 85 bis 110 m² | rund 55 m³ |
| 5 Zimmer | ab 110 m² | ab 70 m³ |
| Grobe Anhaltspunkte für die eigene Rechnung, keine Zusage. Wie viel wirklich zusammenkommt, zeigt erst das Aufmaß, und das kostet nichts. | ||